vollvorn

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Eulenpfingsten (1874)

In Werke on 30. Mai 2011 at 7:17 pm
Schauplatz von Eulenpfingsten

entnommen Bd. 11 der gesammelten Werke von V+R

Recht haben die Rolling Stones. Keine Aussagen über Religion und Politik. Ausgerechnet an diese Vorgabe haben sich die alten Freunde, der Legationsrat Alexis von Nebelung und sein Nachbar von gegenüber, Florenz Nürrnberg, ein reicher Tabakfabrikant, an diesem Mainachmittag des Jahres 1858 nicht gehalten. Wutentbrannt rennt der Legationsrat aus dem behaglichen Garten seines Freundes, schnappt im eigenen Haus Hut und Stock und lässt die Tochter allein mit der Aufgabe die ihr unbekannte Tante vom Bahnhof abzuholen. Der Sohn des Tabakhändlers, ein junger Professor, muß ausgerechnet jetzt der jungen Dame seine Liebe gestehen. Sie verloben sich auf der Stelle, ein Kuss genügt und schon verlobt, und sie verkrachen sich dann sogleich wegen der Väter. Doch damit nicht genug. Zufällig treffen in einer Apfelweinwirtschaft der Legationsrat und Fritz Hessenberg aufeinander. Hessenberg , ein erfolgreicher  Lohgerber und jetzt Witwer war der Jugendfreund der Tante, die jetzt am Bahnhof erwartet wird. Vor 30 Jahren hatte auch Alexis von Nebelung die Verbindung seiner Schwester Lina zu Fritz Hessenberg hintertrieben. Lina war nach Amerika geflohen, Fritz hatte hier geheiratet. Jetzt erfährt er von der Rückkehr seiner großen Liebe nach Frankfurt. So nähern sich alle Beteiligten wieder dem Hause in der Hanauerstraße. Die Tochter Kätchen mit Tante Lina in einer Kutsche vom Bahnhof her. Nürrnberg senior, alleinstehend und attraktiven Damen seines Alters nicht abgeneigt, der Jungverlobte, dem Vater und Schwiegervater langsam egal sind, der über sich selbst verärgerte Alexis von Nebelung und Fritz Hessenberg, dem nicht einfällt was er seiner Lina nach 30 Jahren sagen soll. Und Wilhelm Raabe kann witzig sein. Memnonartig sitzt die Tante in der Kutsche, königlich kann man sich freuen oder besser gesagt: republikanisch. Eine kleine, flotte SommerSonnengeschichte. Leicht und ernsthaft zugleich. Mai 2011

Eulenpfingsten, das bedeutet der Sankt Nimmerleinstag. So sind die Menschen und daran ändert sich nicht.

Für mich sehr angenehm, dass Tochter ,Schwiegersohn und Enkelkind nahe der Hanauer Str. in Frankfurt wohnen. So machten wir einen kleinen Ausflug um vielleicht noch etwas aus der alten Zeit zu entdecken. Doch da gibt es nichts mehr. Die hochherrschaftlichen Häuser, die großen Garten, die prächtige Strasse – alles ist verschwunden.